Donnerstag, 16. April 2009

Erste Venenprobleme

Meine ersten vagen Erinnerungen an Kompressionsstrümpfe stammen aus der Kindheit. Mein Onkel, der Bruder meiner Mutter, hatte bereits als junger Mann mit einem ausgeprägten Venenleiden zu kämpfen und schon in seinen Dreißiger Jahren ein venöses Beingeschwür. Die Mediziner sprechen vom "Ulcus cruris (venosum)", der Volksmund sagt anschaulich "offenes Bein" dazu. Als ich etwa fünf oder sechs Jahre alt war, sah ich einmal, wie mein Onkel seine beigefarbenen knielangen Kompressionsstrümpfe auszog und meiner Mutter, die Krankenschwester war, sein Beingeschwür zeigte. Das Ganze sah nicht sehr gut aus und hat sich mir deswegen auch bis heute eingeprägt. Beide Unterschenkel waren zudem braun verfärbt. Später lernte ich, daß dies Hämosiderinablagerungen sind, ein Oxidationsprodukt des Hämoglobins, das bei chronischen Venenleiden häufig auftritt. Solche Beine wollte ich niemals haben.

Als Teenager war ich viel draußen in der Natur und lief oder fuhr mit dem Rad oft in einem Waldgebiet in der Nähe unseres Hauses umher. Dadurch hatte ich viel Bewegung - zum Glück, wie ich heute weiß. Dennoch hatte ich abends manchmal müde oder auch schwere Beine. Aber das beunruhigte mich nicht und ich erzählte auch meinen Eltern nichts davon, zumal am nächsten Morgen nichts mehr zu spüren war. Heute weiß man, daß sich schon bei Jugendlichen die ersten Anzeichen eines Venenleidens bemerkbar machen können. So heißt es, daß bereits 10 Prozent der 12- bis 14-Jährigen eine beginnende Venenschwäche aufweisen, unter den 16- bis 18-Jährigen ist es sogar fast ein Drittel.

Aus diesem Grund wäre eigentlich eine rechtzeitige Vorbeugung notwendig, aber wenn man es nicht weiß, kann man diese auch nicht betreiben. Das "dicke Ende" kam bei mir in meinen späten 20er Jahren. Nachdem meine Mutter aufgrund eines Herzinfarkts eine tiefe Beinvenenthrombose erlitten hatte, ließ auch ich meine Beine untersuchen. Aber inzwischen war bei mir schon eine "chronische Veneninsuffizienz", eine bleibende Venenschwäche, entstenden. Seit dieser Zeit trage ich Kompressionsstrümpfe, zuerst als Kniestrümpfe, einige Zeit später bekam ich Kompressionsstrumpfhosen.

Ich gebe gerne zu, daß ich anfangs ein wenig nachlässig war und meine Kompressionsstrümpfe nicht jeden Tag anzog, sondern nur bei bestimmten Gelegenheiten, beispielsweise bei längeren Autofahrten. Aber vielleicht haben sie mich damals schon vor Thrombosen bewahrt. So erinnere ich mich noch an eine Fahrt von Belgien zurück nach Bayern. Es war Hochsommer, sehr heiß, und ich kam am Abend wieder zuhause an. Ich war so ausgetrocknet, daß ich auch nach mehreren Gläsern Wasser, die ich getrunken hatte, nicht austreten mußte. Offenbar hatte mein Körper das ganze Wasser wie ein Schwamm aufgesogen. Wenn ich heute daran denke, in was für einer Gefahr für eine Venenthrombose ich damals schwebte ...